Wer Lacke und Farben verarbeitet, kennt das Problem: Die Oberfläche trocknet zu schnell, der Pinsel zieht Striemen, beim Rollen entstehen Blasen – oder der Lack lässt sich schlicht nicht gleichmäßig verstreichen. In den meisten Fällen ist die Lösung kein anderer Lack, sondern das richtige Additiv. Streichverdünnung, Verzögerer und verwandte Zusätze sind keine Notlösungen, sondern professionelle Werkzeuge, die gezielt eingesetzt das Verarbeitungsergebnis deutlich verbessern. Dieser Artikel erklärt, welches Mittel wann sinnvoll ist – und was Sie dabei beachten müssen.
Wann brauche ich Verzögerer und Verdünnung?
Eine Streichverdünnung/Verzögerer ist ein Lösemittelzusatz, der speziell für die Verarbeitung von Lacken per Pinsel oder Rolle formuliert ist. Im Unterschied zu einer Standard-Spritzverdünnung verdünstet sie langsamer, was die sogenannte Offenzeit verlängert – also die Zeitspanne, in der der Lack noch verarbeitbar ist, bevor er zu ziehen beginnt.
Das ist besonders relevant bei:
- großflächigen Streich- und Rollarbeiten
- hohen Umgebungstemperaturen oder starkem Luftzug (beschleunigte Verdunstung)
- 2K-Lacken mit kurzer Topfzeit
- Lacken, die beim Streichen zu zähflüssig sind und sich nicht gleichmäßig auftragen lassen
Für lösemittelbasierte PUR-, NC- und Epoxylacke ist der V23 2K-Streichverdünner von RUCO die erste Wahl. Er verlängert die Offenzeit, verbessert den Verlauf und ermöglicht eine gleichmäßigere Rollbarkeit. Auch beim Spritzen großer Bauteile bei hoher Verarbeitungstemperatur oder hoher Luftwechselrate lässt er sich einsetzen, um Spritznebel auf bereits lackierten Flächen zu vermeiden.
Verzögerer für wasserbasierte Lacke
Bei Wasserlacken gelten andere Regeln: Lösemittelverzögerer sind hier nicht geeignet. Stattdessen kommt Propylenglycol zum Einsatz, ein für Wasserlacke kompatibler Zusatzstoff. Der Verzögerer Propylenglycol für Wasserlacke verlängert die Offenzeit, verbessert die Verstreichbarkeit und lässt sich auch zum Spritzen großflächiger Bauteile einsetzen. Die Zugabemenge liegt je nach Einsatzfall bei 0–5 %.
Welche Verdünnung eignet sich für welches Lacksystem?
Nicht jede Verdünnung passt zu jedem Lack. Die falsche Wahl kann zu Anlöseeffekten, schlechtem Verlauf oder unvollständiger Aushärtung führen – besonders bei 2K-Systemen. Hier ein Überblick der wichtigsten Produkte aus dem LACK.CENTER-Sortiment:
- V17 DD Verdünnung ist die mittelschnelle Standard-Spritzverdünnung für PUR-, NC- und Epoxylacke sowie RAPTOR-Produkte. Sie sorgt für guten Verlauf und Top-Finish und ist die erste Wahl beim Spritzen unter normalen Bedingungen.
- V14 Universal-Verdünner Rapid verdunstet noch schneller als der V17 und ist auf den Einsatz mit 2K-Polyurethanharzlacken ausgelegt. Sinnvoll bei niedrigen Temperaturen oder wenn kurze Trocknungszeiten zwischen den Schichten gefragt sind.
- V16 KH-Spritzverdünnung ist ein sehr schnell verdunstender, milder Verdünner speziell für KH-Streichlacke auf Langöl- und Testbenzinbasis – geruchsarm und ohne Hochziehgefahr.
Häufige Fehler beim Einsatz von Additiven
Zu viel ist zu viel.
Sowohl Streichverdünner als auch Verzögerer verändern die Materialzusammensetzung. Bei 2K-Produkten darf die Gesamtzugabe nicht dazu führen, dass das Mischungsverhältnis zwischen Lack und Härter rechnerisch verändert wird – zumindest nicht über das vom Hersteller empfohlene Maß hinaus. Technische Merkblätter sind hier verbindlich.
Falsches Produkt für das Lacksystem.
Ein Lösemittelverzögerer hat in einem Wasserlack nichts zu suchen – und umgekehrt. Wer hier nicht aufpasst, riskiert Verträglichkeitsprobleme, Trübungen oder Haftungsschäden.
Additiv statt Ursache bekämpfen.
Wenn ein Lack unter normalen Bedingungen schlecht verläuft, kann das auch auf einen zu alten Lack, Verschmutzungen auf dem Untergrund oder falsche Applikationstechnik hindeuten. Additive sind Hilfsmittel, kein Ersatz für eine saubere Vorbereitung.