Verzinkten Stahl richtig lackieren: Schritt für Schritt zu dauerhafter Lackhaftung. Anleitung für Heimwerker & Profis.
Verzinkter Stahl gilt als besonders witterungsbeständig – doch genau diese Eigenschaft macht ihn tückisch für die Lackierung. Die glatte, leicht fettende Zinkoberfläche lässt Lack ohne die richtige Vorbereitung abperlen statt haften. Das Ergebnis: Der Lack blättert oft schon nach wenigen Monaten wieder ab. Diese Anleitung zeigt Ihnen, egal ob Sie ein privates Gartentor lackieren oder als Handwerksbetrieb Gerüstteile, Treppen oder Fahrzeugaufbauten aus verzinktem Stahl beschichten, wie Sie mit der richtigen Reihenfolge und den passenden Produkten eine dauerhafte Lackhaftung erreichen.
Warum löst sich Lack auf verzinktem Stahl oft wieder ab?
Eine verzinkte Oberfläche ist von Natur aus sehr wetterbeständig und wird gewählt, um Stahlbauteile vor Rost zu schützen und dadurch wartungsfrei zu machen. Der silbrig-graue Effekt der Oberfläche ist allerdings nicht für jeden ansprechend. Häufig sollen solche korrosionsgeschützten Stahlteile farbig lackiert werden. Oft löst sich trotz aufwändiger Lackierung der Lack schon nach kurzer Zeit wieder ab.
Neu verzinkte Bauteile haben eine glänzende, glatte Oberfläche, an der Flüssigkeiten regelrecht abperlen. Ohne mechanische und chemische Vorbehandlung kann kein Lack dauerhaft haften – unabhängig davon, wie hochwertig er ist. Der häufigste Fehler ist, direkt auf die blanke Verzinkung zu lackieren, ohne die Oberfläche vorher anzurauen und zu entfetten.
Das lässt sich sicher vermeiden, wenn zuverlässig und in der richtigen Reihenfolge mit den passenden Produkten gearbeitet wird. Unsere Beschichtungsaufbauten bestehen immer die obligatorische Gitterschnittprüfung.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Verzinkten Stahl lackieren
Fertigen Sie vor der eigentlichen Lackierung ein Testmuster an. So stellen Sie sicher, dass Haftung und Farbergebnis Ihren Anforderungen entsprechen, bevor Sie das gesamte Bauteil bearbeiten.
- Schritt 1: Oberfläche vorbereiten
Bei neu verzinkten, glänzenden Bauteilen tragen Sie flüssigen Entroster auf und arbeiten diesen mit einem Schleifvlies ein. Das Schleifvlies ist entscheidend, da die glänzende Zinkschicht sonst abweisend wirkt und die Flüssigkeit nicht einzieht. Durch das Anschleifen wird die Verzinkung leicht angeraut und erscheint nach dem Trocknen sichtbar matt. Bei älteren, bereits matten und verwitterten Zinkflächen reinigen Sie zunächst gründlich mit Wasser und behandeln die Oberfläche ebenfalls mit Entroster und Schleifvlies. - Schritt 2: Nachspülen und trocknen
Spülen Sie die Fläche gründlich mit Wasser nach und lassen Sie sie vollständig trocknen, bevor Sie mit der Grundierung beginnen. - Schritt 3: Epoxi-Grundierung auftragen
Tragen Sie die RUCOPLAST Epoxi-Grundierung mit 120 µm Nassschicht (entspricht ca. 160 g/m²) auf. Das ergibt eine Trockenschichtstärke von rund 50 µm. Bei Pinsel- oder Rollauftrag ist wegen der längeren Trocknungszeit eine Zwischentrocknung über Nacht mit anschließendem Haftungsschliff notwendig. - Schritt 4: Haftungsschliff durchführen
Nach der Nachttrocknung schleifen Sie die Grundierung an. Wichtig: Der Haftungsschliff muss am gleichen Tag erfolgen, an dem Sie weiterlackieren – warten Sie länger als 12 Stunden, müssen Sie erneut anschleifen. - Schritt 5: Deckschicht auftragen
Je nach Lacksystem gehen Sie unterschiedlich vor:- Bei Spritzlackierung mit lösemittelbasierten RUCOPUR- oder ATAPUR-Lacken können Sie bereits nach 2–6 Stunden ohne erneuten Haftungsschliff überlackieren.
- Bei wasserbasierten Lacken wie WATERPUR oder MAGISTRATOR muss die Grundierung immer über Nacht durchtrocknen, gefolgt von einem Haftungsschliff.
Welcher Lack eignet sich für welchen Einsatzbereich?
| Lacksystem | Innenbereich | Außenbereich |
|---|---|---|
| RUCOPUR | geeignet | überall geeignet |
| ATAPUR | geeignet | nicht geeignet |
| WATERPUR | geeignet | nur vertikale Flächen |
| MAGISTRATOR | geeignet | nur vertikale Flächen |
| RAPTOR Schutzlackierung | geeignet | überall geeignet |
MAGISTRATOR eignet sich außen nur für überwiegend vertikale Bauteile und dort, wo auf die besondere Beständigkeit einer 2K-Lackierung verzichtet werden kann.
Für Profis: mechanisch stark beanspruchte Flächen
Handwerksbetriebe, Metallbauer und Gerüstbauer lackieren häufig Bauteile, die stark mechanisch belastet werden – etwa Treppen, Fußbodenelemente, Gerüste oder LKW-Aufbauten aus verzinktem Stahl. Für diese Anwendungen eignen sich RUCOPUR-Lacke und die RAPTOR Schutzlackierung, beide auch in individuellen Wunschfarben erhältlich. Grundsätzlich gilt: Je dicker der Lackaufbau, desto widerstandsfähiger die Beschichtung gegenüber Abrieb und Belastung.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange muss die Grundierung trocknen?
Nach 2–3 Stunden kann die RUCOPLAST Epoxi-Grundierung mit sich selbst überarbeitet werden. Nach der zweiten Schicht empfiehlt sich eine Trocknung über Nacht (ca. 16 Stunden), um Spannungen im Lackaufbau zu vermeiden.
Was passiert, wenn die Grundierung zu früh forciert getrocknet wird?
Wird eine dicke, festkörperreiche Lackschicht zu früh mit Wärme oder Infrarot getrocknet, kann es zu Blasenbildung kommen, weil eingeschlossene Lösemittel nicht entweichen können. Nach dem Abdunsten von etwa 30 Minuten kann forciert getrocknet werden.
Muss ich die Grundierung nach 12 Stunden immer neu anschleifen?
Ja. Nach mehr als 12 Stunden Trocknungszeit muss die RUCOPLAST Epoxi-Grundierung erneut angeschliffen werden, um Haftungsprobleme zu vermeiden. Ein Haftungsschliff „auf Vorrat" funktioniert nicht.
Brauche ich zusätzliche Reinigung mit Verdünner?
Bei fachgerechter Vorbereitung ist außer bei Bedarf mit V17 DD-Verdünnung keine weitere Nachreinigung mit anderen Verdünnern oder Silikonentfernern notwendig.